Netzwerk-Installationsanleitung für Kernel 2.4 und 2.6

 

  
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Dieses Kapitel wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von: Michael Schlenstedt

3.0 Grund-Installation

3.1 Vorüberlegungen

Jeder Rechner in unserem privaten Netzwerk muss einen eindeutigen Namen und eine eindeutige IP-Adresse zugewiesen bekommen. Dabei ist darauf zu achten, dass IP-Adressen aus dem privaten Bereich verwendet werden (siehe auch: Kapitel 2.2.1). Aus diesem Grund sollte man sich vor der Installation überlegen, wie welcher Rechner im LAN genannt werden soll und welche IP-Adresse er erhalten soll. Für unser Beispielnetzwerk benutze ich die Daten aus Tabelle 3.1. Die Domain kann völlig beliebig gewählt werden, man sollte jedoch darauf achten, dass sie nicht wirklich existiert, um Konflikte zu vermeiden. Wer allerdings eine eigene Domain besitzt, kann selbstverständlich diese hier nutzen.

Tabelle 3.1: Rechnernamen und IP-Adressen
Rechner Name IP-Nummer Domain
Server wgserver1 192.168.99.1 deinedomain.local
Client 1 client1 192.168.99.2 deinedomain.local
Client 2 client2 192.168.99.3 deinedomain.local
Client 3 client3 192.168.99.4 deinedomain.local
Client 4 client4 192.168.99.5 deinedomain.local


3.2 Netzwerkkarten und Protokolle

3.2.1 Linux/Server

Die Netzwerkkarten und benötigten Netzwerkprotokolle werden auf den Linux-Clients und auf dem Server nach dem gleichen Prinzip installiert.

Zunächst muss der Treiber der Netzwerkkarte installiert werden. Die meisten PCI-Karten werden mittlerweile bereits bei der Installation des Linuxsystems erkannt und in das System eingebunden. Hier muss dann lediglich das Netzwerk noch konfiguriert werden. Bei exotischer Hardware oder bei vielen ISA-Karten funktioniert dieses jedoch nicht und man muss selbst Hand anlegen.

Um den korrekten Treiber auswählen zu können, ist es wichtig, den Chipsatz der Netzwerkkarte zu kennen. Unter Linux wird meist nicht nach verschiedenen Herstellern sondern lediglich nach den verwendeten Chipsätzen unterschieden, da dieses die einzig wichtige Information für den Treiber ist. Ein Blick auf die Netzwerkkarte gibt hier schnell Aufschluss.

Alle modernen Distributionen binden zusätzliche Hardwaretreiber als so genannte Kernelmodule in das System ein. Kernelmodule (Treiber) können zur Laufzeit zum Kernel hinzugeladen werden, so dass das Neukompilieren des Kernels wegfällt.

Unter SuSE-Linux ruft man zum Einbinden des Treibers das Konfigurationstool YaST2 auf und wählt anschließend unter Netzwerk/Basis das YaST2-Modul Konfiguration der Netzwerkkarte aus. Benutzer anderer Distributionen müssen natürlich das entsprechende Konfigurationstool ihrer Distribution verwenden!

Unter "Hardware" kann nun eine Liste aller installierten Netzwerkkarten abgefragt werden. Taucht hier die eingebaute Karte noch nicht auf, kann man sie nun über "Hinzufügen" und anschließend "Karte einrichten" aktivieren. Unter "Typ des Netzwerks" gibt man "Ethernet" an und als Gerätenummer "0" (wird später zum Device eth0). Über den Button "Treffen Sie eine Auswahl aus der Liste" kann man das passende Kernelmodul auswählen (oder natürlich von Hand eintragen). Zusätzliche Optionen sind lediglich bei ISA-Karten notwendig.

Treiberinstallation
Abbildung 3.1: Auswahl des korrekten Treibers

Anschließend wird die statische IP-Adresse für den jeweiligen Rechner vergeben. Die Subnetzmaske braucht nicht verändert zu werden (255.255.255.0). Über den Menüpunkt "Rechnername und Nameserver" wird der Rechnername vergeben und der Nameserver eingestellt. Am sinnvollsten ist es, hier zunächst den Nameserver des Providers anzugeben (nicht nur auf dem Server, auch auf den Clients!).

Netzwerk-Konfiguration
Abbildung 3.2: Konfiguration

Auf dem Server kann nun die Netzwerkinstallation mit "Weiter" abgeschlossen werden, auf den Linux-Clients muss noch unter dem Menüpunkt "Routing" als Standardgateway die IP-Adresse des Servers eingetragen werden, damit alle Anfragen außerhalb des eigenen Netzes (z. B. an das Internet) zunächst an den Server gestellt werden, der sie dann entsprechend weiterleiten kann.

Standardgateway
Abbildung 3.3: Standardgateway für die Clients

Nachdem die Konfiguration abgeschlossen ist, sollte sie unter "Schnittstelle" auch auftauchen:

Netzwerk-Devices
Abbildung 3.4: Netzwerkschnittstellen

Damit alle Rechner im eigenen Netzwerk mit Namen ansprechbar sind, muss das System Namen in IP-Adressen umwandeln können (und natürlich auch umgekehrt). Bei weltweit eindeutigen IP-Adressen ist dafür das DNS (Domain Name System) zuständig. Für unser lokales Netz tragen wir alle Rechnernamen und die dazugehörigen IP-Adressen in die Datei /etc/hosts ein. Jedes Linuxsystem schaut zunächst in diese Datei, wenn es eine IP-Adresse zu einem Rechnernamen sucht. Die Datei lässt sich mit einem beliebigen Text-Editor bearbeiten (z. B. kedit, nedit, vim, ...) und muss auf jedem Rechner im Netz vorhanden sein. Für unser Beispiel hat die Datei folgenden Inhalt:

Listing 3.1: Die Datei /etc/hosts
#
# hosts         This file describes a number of hostname-to-address
#               mappings for the TCP/IP subsystem.  It is mostly
#               used at boot time, when no name servers are running.
#               On small systems, this file can be used instead of a
#               "named" name server.
# Syntax:
#
# IP-Address    Full-Qualified-Hostname   Short-Hostname

127.0.0.1       localhost
127.0.0.1       localhost.deinedomain.local     localhost
192.168.99.1    wgserver1.deinedomain.local     wgserver1
192.168.99.2    client1.deinedomain.local       client1
192.168.99.3    client2.deinedomain.local       client2
192.168.99.4    client3.deinedomain.local       client3
192.168.99.5    client4.deinedomain.local       client4

Das Protokoll TCP/IP muss unter Linux nicht extra installiert werden, es ist als Standardprotokoll in jedem Linuxsystem aktiviert. Wer einen eigenen Kernel kompiliert hat, muss dieses Protokoll jedoch auswählen. Zu finden ist die entsprechende Option bei der Kernelkonfiguration unter "Networking Options".

3.2.2 Windows ME

Die Installation für Windows ME steht stellvertretend für die Win9X-Familie und sollte so ähnlich bei allen Varianten funktionieren. Zunächst muss auch hier der Treiber der Netzwerkkarte installiert werden. Sollte Windows die Karte nicht selbstständig erkennen, so ist sie über Systemsteuerung -> Hardware hinzuzufügen. Nach erfolgreicher Installation sollte sie im Gerätemanager auftauchen:

Gerätemanager
Abbildung 3.5: WindowsME-Gerätemanager

Nachdem der Treiber installiert ist, muss das TCP/IP-Protokoll installiert werden. Hierzu wechselt man in der Systemsteuerung zur Netzwerkkonfiguration (Netzwerk) und gelangt über den Button "Hinzufügen" zum nächsten Auswahlmenü:

Netzwerkkomponente hinzufügen
Abbildung 3.6: Netzwerkprotokoll hinzufügen

Unter "Microsoft" findet man dann das TCP/IP-Protokoll:

TCP/IP-Protokoll
Abbildung 3.7: Auswahl des TCP/IP-Protokolls

Nach der Installation markiert man den neuen Eintrag "TCP/IP" und kann das Netzwerk über den Button "Eigenschaften" konfigurieren. Zunächst legt man eine feste IP-Adresse und die korrekte Subnetmask (wird automatisch korrekt gesetzt) fest:

IP-Adresse
Abbildung 3.8: Eintragen der statischen IP-Adresse

Unter Gateway trägt man die IP-Adresse des Servers ein. So werden alle nicht lokalen Anfragen wieder an den Server (Router) geschickt und können so korrekt weitergeleitet werden.

Gateway
Abbildung 3.9: Eintragen des Gateways

Unter "DNS" wird die Nameserver-Adresse des Providers eingetragen und der eindeutige Rechnername (in unserem lokalen LAN) mit Domain eingetragen:

DNS
Abbildung 3.10: Konfigurieren des DNS

Alle anderen Optionen bleiben unangetastet bzw. deaktiviert. Nach dem obligatorischen Neustart steht die Netzwerkkonfiguration zur Verfügung.

Analog zur /etc/hosts-Datei zur lokalen Namensauflösung unter Linux existiert unter Windows die Datei c:\windows\hosts (Achtung! Ohne Dateinamenserweiterung!). Diese Datei kann auch hier mit einem beliebigen Texteditor (z. B. Notepad) bearbeitet werden. Sie hat das gleiche Format wie die Unix-Datei:

Listing 3.2: Die Datei c:\windows\hosts
127.0.0.1         localhost.deinedomain.local     localhost
192.168.99.1    wgserver1.deinedomain.local     wgserver1
192.168.99.2    client1.deinedomain.local       client1
192.168.99.3    client2.deinedomain.local       client2
192.168.99.4    client3.deinedomain.local       client3
192.168.99.5    client4.deinedomain.local       client4

Vorsicht beim Abspeichern! Der mit Windows ausgelieferte Editor "Notepad" hängt automatisch die Dateiendung ".txt" an die Datei an. Um zu kontrollieren, ob die Datei wirklich ohne Endung abgespeichert wurde, kann man unter "Extras", "Ordneroptionen" und dann "Ansicht" die Option "Dateinamenserweiterung bei bekannten Dateitypen ausblenden" deaktivieren.

3.2.3 Windows 2000

Auch unter Windows 2000 muss natürlich zunächst der Treiber der Netzwerkkarte installiert werden. Nach erfolgreicher Installation sollte die Netzwerkkarte im Gerätemanager unter Systemsteuerung -> System -> Hardware -> Gerätemanager auch angezeigt werden.

Gerätemanager
Abbildung 3.11: Windows 2000-Gerätemanager

Anschließend wird der Computername und die zugehörige Domain konfiguriert. Unter Systemsteuerung -> System -> Netzwerkidentifikation trägt man unter Eigenschaften den Rechnernamen ein. Über den Button Erweitert kann dann noch der zugehörige Domainname angegeben werden.

Computername
Abbildung 3.12: Rechnernamen festlegen

Das TCP/IP-Protokoll ist standardmäßig installiert. Konfiguriert wird es unter Systemsteuerung -> Netzwerk- und DFÜ-Verbindungen -> LAN-Verbindung -> Eigenschaften.

LAN-Verbindung
Abbildung 3.13: Eigenschaften der LAN-Verbindung

Hier wählt man "Internetprotokoll TCP/IP" aus und gelangt über den Button Eigenschaften zur Konfiguration. Hier müssen zunächst die feste IP-Adresse des Rechners, die zugehörige Subnetmaske (wird automatisch gesetzt) und der Standardgateway eingetragen werden. Anschließend wird noch der DNS-Servers unseres Providers in das entsprechende Eingabefeld eingetragen.

TCP/IP-Konfiguration
Abbildung 3.14: TCP/IP-Konfiguration

Analog zur /etc/hosts-Datei zur lokalen Namensauflösung unter Linux existiert unter Windows 2000 die Datei c:\winnt\system32\drivers\etc\hosts (Achtung! Ohne Dateinamenserweiterung!). Diese Datei kann auch hier mit einem beliebigen Texteditor (z. B. Notepad) bearbeitet werden. Sie hat das gleiche Format wie die Unix-Datei:

Listing 3.3: Die Datei c:\winnt\system32\drivers\etc\hosts
127.0.0.1         localhost.deinedomain.local     localhost
192.168.99.1    wgserver1.deinedomain.local     wgserver1
192.168.99.2    client1.deinedomain.local       client1
192.168.99.3    client2.deinedomain.local       client2
192.168.99.4    client3.deinedomain.local       client3
192.168.99.5    client4.deinedomain.local       client4

Vorsicht beim Abspeichern! Der mit Windows ausgelieferte Editor "Notepad" hängt automatisch die Dateiendung ".txt" an die Datei an. Um zu kontrollieren, ob die Datei wirklich ohne Endung abgespeichert wurde, kann man unter "Extras", "Ordneroptionen" und dann "Ansicht" die Option "Dateinamenserweiterung bei bekannten Dateitypen ausblenden" deaktivieren.

3.3 Verbindungstests

Nachdem alle Clients und der Server im LAN konfiguriert sind, müssen sie untereinander erreichbar sein. Für diese Tests dient das Programm "ping", welches auf jedem Rechner standardmäßig installiert ist. Unter Windows muss man hierzu eine MSDOS-Eingabeaufforderung öffnen. Der Administrator loggt sich nacheinander auf jedem Rechner im Netz ein und testet, ob er mit Ping die übrigen Rechner erreichen kann:

Auch über ihre Namen sollten die einzelnen Rechner so erreichbar sein. Antwortet ein Host nicht auf die Ping-Anfrage, so muss nochmals die Verkabelung und die Netzwerkkonfiguration auf dem jeweiligen Rechner überprüft werden. Es versteht sich von selbst, dass jegliche Firewall-Tools in diesem Stadium der Installation deaktiviert sein müssen! Ansonsten wird die Fehlersuche unnötig erschwert. Zur Fehlersuche gibt es diverse Diagnosetools:

lsmod: (nur Linux) lsmod listet alle gerade geladenen Kernelmodule auf. Hier muss das Treiber-Modul für die Netzwerkkarte mit aufgelistet werden (hier: "ne" und "dmfe"):


Module                  Size  Used by
pppoe                   6640   3  (autoclean)
pppox                   1136   1  (autoclean) [pppoe]
ppp_async               6096   0  (autoclean) (unused)
ppp_generic            13840   1  (autoclean) [pppoe pppox ppp_async]
ne                      6400   1  (autoclean)
dmfe                   13248   1  (autoclean)

 

Kann man ein Modul nicht genau zuordnen, kann der Befehl modinfo <MODULNAME> weiterhelfen.

 

ifconfig: (unter Windows: ipconfig) ifconfig listet alle Netzwerkdevices und die dazugehörigen Parameter auf. Hieran kann man die Netzwerkkonfiguration nochmals überprüfen:

 

eth0    Link encap:Ethernet  HWaddr 00:80:AD:79:3F:C9  
          inet addr:192.168.99.1  Bcast:192.168.99.255  Mask:255.255.255.0
          inet6 addr: fe80::280:adff:fe79:3fc9/10 Scope:Link
          UP BROADCAST RUNNING MULTICAST  MTU:1500  Metric:1
          RX packets:20872 errors:0 dropped:0 overruns:0 frame:0
          TX packets:21638 errors:0 dropped:0 overruns:0 carrier:0
          collisions:0 txqueuelen:100 
          RX bytes:14119876 (13.4 Mb)  TX bytes:17147535 (16.3 Mb)
          Interrupt:12 Base address:0xcc00 

 

route -n: (unter Windows: route PRINT) Dieser Befehl listet alle Routen des Systems auf. Die Standardroute (Destination 0.0.0.0 und Flags UG) sollte bei den Clients auf die IP-Adresse des Servers zeigen:


Kernel IP routing table
Destination     Gateway         Genmask         Flags Metric Ref    Use Iface
192.168.99.0    0.0.0.0         255.255.255.0   U     0      0        0 eth0
0.0.0.0         192.168.99.1    0.0.0.0         UG    0      0        0 eth0

arp -a: Dieser Befehl listet die IP-Adresse und die dazugehörige MAC-Adresse der Netzwerkkarte von allen erreichbaren Hosts auf:

wgserver1.deinedomain.local (192.168.99.1) at 00:80:AD:79:3F:C9 [ether] on eth0
 


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